Das kurze, qualvolle Leben einer kleinen Katze! 
Die Tragödie ereignete sich am Donnerstag, den 24.05.2001 - Christi Himmelfahrt -.

Es war nachmittags, um ca. 16.00 Uhr. Da klopfte eine Nachbarin an mein Fenster und erzählte mir von einer kleinen Katze, die im Nachbarhof unter einem Busch liegt. "Ich habe mir gedacht, du verstehst ja mehr von Katzen als ich, da hole ich dich mal, dass du dir das mal ansiehst", meinte sie.

Ich ging also mit in den Nachbarhof, in der Erwartung, einen etwa 3 bis 4 Wochen alten Katzenwelpen vorzufinden, denn die meistenKatzen werden ja bekanntlich Anfang Mai geboren. Als ich unter den Busch sah, der sich in einem Blumenbeet befand, stockte mir der Atem. Da lag ein winziger Katzenwelpe, nur wenige Stunden alt. Er strampelte mit den winzigen Beinchen und schrie jämmerlich.

Da es ein warmer Sommertag war, sassen mehrere Leute in dem Garten und sonnten sich. Eine junge Frau sass mit ihrem Liegestuhl keinen Meter von dem Busch entfernt, unter dem das kleine Kätzchen lag. Auf meine Frage, wie lange sie sich denn schon in dem Garten aufhielt, antwortete die Frau mir, dass sie bereits seit 11 Uhr hier sei. Also lag die kleine Katze schon seit mindestens 5 Stunden unter diesem Busch. Mittlerweile war es ca. 16.15 Uhr.

Als ich versuchte, den Welpen hochzuheben, merkte ich, dass er noch nicht abgenabelt war. An der Nabelschnur hing noch ein Brocken eingetrocknetes Fleisch, die Nachgeburt, wie ich dachte.

Es kann aber auch ein weiteres Junges gewesen sein, dass noch in seiner Hülle war. So genau hab ich mir das nicht angesehen, weil es total eingetrocknet war, völlig leblos. Durch das Strampeln und Herumrobben des kleinen verzweifelten Kätzchen, hatte sich die Nabelschnur mit dem leblosen Klumpen dran in dem Geäst des Busches verheddert, so dass ich das Kleine nicht hochnehmen konnte. Eine der anwesenden Frauen holte eine Schere, und ich durchschnitt die Nabelschnur an einem bereits eingetrockneten Teil. Nun konnte ich das Kätzchen hochheben, es war ein kleiner Grau-Tiger.

Da bemerkte ich eine erwachsene getigerte Katze, die in einigen Metern Abstand immer hin und her lief. Das war wohl die Mutter des kleinen Kätzchens. Aber durch den ganzen Trubel, der hier herrschte, traute sie sich nicht näher heran.

Mittlerweile hatte ich den Welpen in meinen Pullover gelegt, um ihn zu wärmen, da er ganz kalt war. Da merkte ich plötzlich, dass das Kätzchen über und über mit Fliegeneiern übersät war.

Die Katzenmutter wurde von den Nachbarn wohl direkt beim Geburtsakt gestört und durch das Blut und den Fleischklumpen wurden Fliegen angelockt, die natürlich sofort ihre Eier ablegten. Natürlich auch auf das noch lebende Kätzchen, das ja auch noch blutverschmiert war, weil seine Mutter es aus Angst vor den Menschen nicht mehr säubern konnte.

Jetzt musste schnell gehandelt werden. Ich nahm das Kätzchen mit in meine Wohnung und kämmte erst einmal mit dem Flohkamm die Fliegeneier aus dem Fell, es waren Hunderte. Bei jedem Kämmen kamen immer neue Pakete zum Vorschein. Als ich glaubte, alle Eier von dem kleinen Körper entfernt zu haben, machte ich etwas Kaffesahne warm und versuchte, den Welpen mit einer Pipette zu füttern. Aber er trank nicht, sondern wimmerte nur kläglich.

Da meine Nachbarn in unserem Hof waren und eine von ihnen Tierarzthelferin ist, nahm ich das kleine Kätzchen und ging mit ihm hinaus, um es der Nachbarin zu zeigen und sie um Rat zu fragen. Sie sah sich das Kleine an und stellte fest, dass auch in den Ohren und im After bereits Fliegeneier, ja sogar schon Maden waren. Mit einer Pinzette versuchte sie, die Eier und Maden aus Ohren und After zu entfernen. Was ihr eigentlich auch gut gelang.

Nun versuchten wir wieder, das Kätzchen zu füttern, aber es schluckte die Milch einfach nicht herunter. Statt dessen schrie es jämmerlich.

Eine andere Nachbarin von mir hat eine Altdeutsche Schäferhündin, die schon oft Amme für verwaiste Tierkinder war. Dieser Hündin legten wir die kleine Katze an, weil wir hofften, dass bei ihr die Milch einschiesst und das Kätzchen dann bei ihr saugt. Das klappte auch gut, China, die Schäferhündin, kümmerte sich rührend um das Kleine, schleckte es ab und das Kätzchen suchte nach ihren Zitzen.

Schon glaubten wir es wird alles gut, da sahen wir plötzlich, dass aus der Nase der kleinen Katze bei jedem Atemzug Blut herauskam. Für dieses Nasenbluten gab es nur eine mögliche Erklärung:
Auch in der Nase des Kätzchens mussten Fliegeneiern und Maden sein, die bereits ihr grausames Werk begannen, nähmlich das Kätzchenbei lebendigem Leib aufzufressen.

Da wir nicht wussten, wie viele Maden im Inneren des Welpen waren und wir nicht wollten, dass das Kleine sich weiter quält, bis es elendig verreckt, beschlossen wir schweren Herzens, es zu töten. Mein Freund und ein anderer Nachbar nahmen das kleine Tigerchen und erlösten es von seinen Qualen.

Das kleine Tiger-Kätzchen starb um 16.30 Uhr. Sein kurzes, qualvolles Leben dauerte nicht viel länger als 5,5 Stunden.

Das alles hätte verhindert werden können, wenn die Leute in dem Nachbarhof nicht so unsensibel und egoistisch gewesen wären. Sie hatten nur ihr Sonnenbad im Kopf, sonst nichts.

Sie hätten früher bemerken müssen, welches Drama sich direkt neben ihnen abspielt. Sie hätten das Schreien des kleinen Kätzchens früher hören müssen. Auch hätten sie die Katzenmutter bemerken müssen, die selbst nach fast 5 Stunden noch versuchte, zu ihrem Baby zu gelangen.

Wenn sie es bemerkt und auf ihr Sonnenbad verzichtet hätten, wäre die Katzenmutter zu ihrem Baby zurückgekehrt, hätte es versorgen und in Sicherheit bringen können. Stattdessen haben sie nichts weiter getan als zu rätseln, wer denn wohl die Mutter des Kätzchens ist und immer wieder unter den Busch zu schauen, was sich da wohl tut. Denn auch mich hat man erst ein paar Stunden nach der Entdeckung dazu geholt. Viel zu spät.

Dieses Ereignis, was mit Abstand das grausamste war, was ich je erleben musste, und die Tatsache, dass 2 meiner Katzen auch wild geboren und nur knapp dem Tod entronnen sind, zeigt mir, dass endlich etwas geschehen muss.

Diese oder ähnliche Tragödien spielen sich jedes Jahr aufs neue in unseren Gärten und Hinterhöfen ab. Sie könnten verhindert werden, wenn dafür gesorgt wird, das alle Katzen und Kater, die draussen leben oder Freigang haben, kastriert werden.

Die Freigänger spreche ich deshalb an, weil der Vater meines Merlin wahrscheinlich auch der Vater des armen kleinen Kätzchen und der Vater von mindestens der Hälfte der neugeborenen Katzen in unserem Viertel ist. Dieser Kater ist nicht verwildert, sondern gehört einem ignoranten Ehepaar, das sich weigert, ihren Kater kastrieren zu lassen, obwohl sie von dem Elend wissen, dass er mitverursacht. Der einzige Trost ist, dass der Familie meines Merlin - seiner Mutter, seinem Bruder und seinen beiden Schwestern - dieses Elend erspart bleibt. Sie wurden im Sommer 2000 von Mitarbeitern eines Katzenschutzbundes eingefangen, von einem Tierarzt kastriert und schliesslich wieder in unserem Hof frei gelassen, wo sie heute noch sind und sich bester Gesundheit erfreuen. Durch diesen relativ harmlosen kurzen Eingriff gibt es bei uns allein in diesem Frühjahr ca. 12 bis 20 Katzenwelpen weniger, die elendig an Krankheiten, Hunger oder an Tragödien wie der oben geschilderten, verrecken müssen.

Darum möchte ich dich bitten, verschliesse nicht länger deine Augen vor dem Elend, dass sich vor deiner Haustür abspielt.

Wende Dich bitte an einen Katzenschutzbund in deiner Nähe. Der Katzenschutzbund hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, freilebende Katzen kastrieren zu lassen.
Die eingefangenen Katzen werden nach der Kastration wenn möglich wieder an ihren Heimatort zurückgebracht oder weitervermittelt, wenn sie noch jung und nicht zu verwildert sind. Auch Katzenwelpen sollten so früh wie möglich, ehe sie zu sehr verwildern, (aber nur, wenn sie nicht mehr gesäugt werden!) entweder dem Katzenschutzbund oder einem Tierheim übergeben werden.

Das sind ein paar einfache Unternehmungen, das Elend der verwilderten Hauskatzen ein wenig zu mildern. Bitte schau nicht weg!

Artikel von Andrea Wodniczak - Quelle: http://www.andys-tieroase.de.

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